Barrierefreies Wohnen

Niemand von uns kann sich sicher sein, nicht irgendwann zu erkranken oder einen Unfall zu erleiden; beides kann eine bleibende Behinderung nach sich ziehen. Einige Fakten machen das deutlich:

  • Einen Behindertenausweis haben in Österreich über 250.000 Menschen.
  • Etwa 24.000 ÖsterreicherInnen sind auf einen Rollstuhl angewiesen.
  • Ca. 480.000 Menschen geben mindestens eine Beeinträchtigung in der Bewegung an.
  • Von den BürgerInnen zwischen 60 und 69 Jahren sind 60 % behindert. Bei den 70- bis 79-jährigen Menschen sind es sogar 72 %.

Viele dieser Menschen wohnen in rollstuhlgerecht ausgestatteten Wohnungen, doch bei Weitem nicht alle. Was kann man beim Neubau bereits berücksichtigen, und wie kann bestehender Wohnraum barrierefrei gemacht werden?

Barrierefreiheit im Neubau
Wenn ein Bauplan entsteht, sollten die folgenden Maße berücksichtigt werden, die für Rollstuhlfahrer ideal sind:

  • Gänge und Flure haben eine Breite von 150 cm. Türen sind ebenfalls so breit, vorzugsweise werden Schiebetüren verwendet, die keinen Radius zum Öffnen benötigen. Normale Türen müssen eine Bewegungsfläche von 150 x 180 cm aufweisen.
  • Die Höhe der Wand unter den Fenstern sollte 60 cm nicht übersteigen, damit ein ungestörter Ausblick möglich ist. Fenstergriffe werden nicht höher als 120 cm angebracht, wenn keine elektrischen Öffnungsmöglichkeiten verbaut werden.
  • Breite Treppen, die den Einbau eines Treppenlifts ermöglichen.
  • Die Räume sollten groß sein. Ein Rollstuhlfahrer braucht mindestens 120 cm Abstand zwischen Möbelstücken.
  • Es wird rutschfester Bodenbelag in allen Räumen ausgelegt. Es sollte keine Türschwellen geben, die eine Barriere bilden.
  • Die Küche wird mit unterfahrbaren Arbeitsplatten und einem Backofen ausgestattet, dessen Tür zur Seite und nicht nach vorn geöffnet wird. Unter dem Backofen wird eine ausziehbare Arbeitsplatte installiert, damit nichts zu Boden fallen kann. Die unterfahrbaren Arbeitsplatten können fest montiert werden. Es gibt auch die Möglichkeit, deren Höhe mit einer Handkurbel oder einer Fernbedienung auf unterschiedliche Höhen zu fahren.
  • Der Kühlschrank sollte ein Auszugskühlschrank sein, d. h. die Waren im Kühlschrank kommen einem entgegen.
  • Rollschränke unter den Arbeitsplatten sind mobile Helfer für Besteck und andere Dinge.
  • Wenn es Oberschränke geben soll, so gibt es hierfür eine neue Technologie: Mit einer Fernbedienung neigen sich die Oberschränke nach vorn und hinunter, sodass man ohne Schwierigkeiten etwas herausholen kann.
  • Im Bad befindet sich eine bodengleiche Dusche mit den Maßen 155 x 185 cm oder eine Badewanne, über der ein Badelifter angebracht wird.
  • Das Waschbecken ist unterfahrbar und in einer Höhe zwischen 80 und 85 cm angebracht.
  • Vor der Toilette, die im Idealfall höhenverstellbar ist, muss eine Fläche von 120 x 120 cm frei bleiben.
  • Einhandmischbatterien mit der Möglichkeit zur Temperaturvorwahl erleichtern das Greifen.
  • Stabile Stützgriffe am Waschtisch, um das WC und die Dusche oder Wanne sind  unerlässlich.
  • Werden Einbauschränke geplant, so sollten diese einen Sockel haben, der 30 cm hoch ist und die Unterfahrbarkeit mit dem Fußteil eines Rollstuhles ermöglicht.
  • Terrassen und Balkone werden ohne Schwellen gebaut.

Berücksichtigt man bei der Hausplanung diese Dinge, so ist für Menschen mit Behinderung und Senioren das Wohnen im eigenen Heim bis ins hohe Alter möglich, rollstuhlgerecht und ohne jede Barriere.

Wohnungsadaptierung bei bestehenden Bauten
Viele der oben genannten Maßnahmen kann man auch bei bestehenden Häusern  nachträglich vornehmen. Hinzu kommt die Ausrüstung mit Raumspartüren, von denen nur zwei Drittel in den Raum ragen. Terrassen- und Balkonböden werden mit stabilen Rosten aus Metall oder Holz der Höhe des Bodens in der Wohnung angepasst. Da Rollstuhlfahrer viel Platz benötigen, ist zu überlegen, ob man Räume durch Entfernung nicht tragender Wände vergrößern kann und zum Beispiel Esszimmer und Küche zusammenlegt.

Fenster, besonders Oberlichter, und Markisen können mit motorisierten Hebelantrieben oder Handkurbeln nachgerüstet werden. Treppenlifte gibt es für fast alle Treppenformen.

Die Barrierefreiheit von Wohnungen wird vom Bundessozialamt mit bis zu 5.800 Euro gefördert.

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